Von Barcelos nach São Simão (22,2 km)

Was man sich vorgenommen hat, sollte man auch tun. Im Blick auf das Ohropax habe ich das leider nicht gemacht, was ein schwerer Fehler war. Dass ich – laut Schlaftracker – noch auf 4 Stunden und 39 Minuten Schlaf gekommen bin, liegt daran, dass ich mitten in der Nach den gesamten Schlafsack ausgepackt habe, um das Ohropax zu finden. Nachdem ich es in den Ohren hatte, habe ich super geschlafen – bis um 5:00 Uhr der Wecker ging.

Früh loszugehen ist bei der Hitze unumgänglich. Außerdem ist das Laufen in den Sonnenaufgang hinein einfach super schön. Ich hatte mir vorgenommen auf dem Streckenabschnitt bis Portela de Tamel die kürzere Route zu nehmen, die nicht an der Kirche Santa Maria de Abade de Neiva oben auf dem Berg vorbeiführt. Doch obwohl ich aufmerksam den Pfeilen gefolgt bin, stand ich plötzlich vor einer beeindruckenden Kirche oben auf dem Berg. Wo ich nun schon mal da war, gab die Kirche einen schönen Ort für mein Morgengebet ab.

Der Weg heute war sehr schön. Immer wieder habe ich versucht in den Fotos etwas davon einzufangen, was aber nur sehr unzureichend gelungen ist.

Das Laufen funktionierte heute super. Ich habe meinen Rhythmus gefunden und die Schmerzen sind weg, kurz nach dem ich im Rhythmus bin. Pausen oder genauer das Loslaufen nach den Pausen sind entsprechend die größte Herausforderung.

Heute habe ich unterwegs eine Menge Leute kennengelernt. Die am weitest gereisten sind Geschwister aus Australien. Er wollte seine jüngere Schwester ursprünglich gar nicht mitnehmen, weil er Angst hatte, dass sie ihn ausbremsen könnte. Tatsächlich hat er jetzt Mühe von ihr nicht komplett abgehängt zu werden. Dabei ist er ganz sicher doppelt so schnell unterwegs wie ich. In der Unterkunft sind neben mir noch zwei Deutsche, vier Dänen, zwei Iren und zwei Niederländer.

Die Herberge „Casa Fernanda“ ist klasse. Auf ihrem Grundstück betreibt Fernanda in einer großen Blockhütte eine private Herberge mit zehn Betten. Neben Dusche, Bett und Waschmöglichkeit gibt es Getränke und Essen für die Pilger gegen eine Spende.

Als ich bei der Ankunft meinen Namen genannt habe, kam heraus, dass einer von Fernandas Hunden auch Sascha heißt. Dem macht die Hitze auch zu schaffen, so dass er (oder besser sie) auf dem Foto so aussieht wie ich mich fühle. Neben den Hunden gibt es in dem fast etwas verwunschen anmutenden Garten auch Katzen, Hühner, Enten und ein Wildschwein.

Um 18:00 Uhr haben Fernanda und ihr Mann die Pilger zum Essen in ihre Küche eingeladen. An einer langen Tafel haben wir gegessen und getrunken, geredet und gesungen. Auf Wunsch der Gastgeberin hatten die Pilger jeder Nationalität ein Lied zur Gitarre zu singen. Es war ein fantastischer Abend. Fernandas Kommentar, als wir uns verabschiedet und bedankt haben:

„That’s the Caminho.“

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