Von Vilanova de Arousa nach Faramello (13,5 km)

Heute sollten wir um 7:00 Uhr am Hafen sein, um mit einem großen Schlauchboot nach Padrón zu fahren, wo die nächste Etappe beginnen soll. Die Bootsfahrt gehört zur Variante Espiritual, weil die Pilger so den Weg nehmen, den der Leichnam des Apostels Jakobus zurückgelegt hat, als er nach Spanien gebracht wurde.

„Nach einer anderen, für den Jakobuskult in Santiago de Compostela grundlegenden Legende übergaben seine Jünger den Leichnam des Apostels nach der Enthauptung einem Schiff ohne Besatzung, das später in Galicien im Nordwesten Spaniens anlandete. Helfer setzten ihn weiter im Landesinneren bei. Dann geriet das Grab in Vergessenheit. Nach der Wiederentdeckung im 9. Jahrhundert wurde darüber eine Kapelle, später eine Kirche und schließlich die Kathedrale errichtet, um die herum sich der Pilgerort Santiago de Compostela entwickelte und zu der die Jakobswege führen.“

(https://de.m.wikipedia.org/wiki/Jakobus_der_Ältere)

Der Morgen ist nass und kalt. Nachdem das Boot die Meeresbucht durchquert hatte, bog es in die Flussmündung ein. Auf dem Weg stromaufwärts finden sich rechts und links am Ufer insgesamt 17 Steinkreuze, die den Weg markieren, den das Boot mit dem Leichnam des Apostels genommen hat.

Vom Hafen aus, an dem das Boot uns abgesetzt hatte, liefen wir in den Ortskern von Padrón. Der Weg führte dort zuerst in die Jakobuskirche, unter deren Altar der Stein zu sehen ist, an dem das Boot mit dem Leichnam des Apostels festgemacht haben soll. Die Kirche ist heute mein Ort für das Morgengebet.

Auf der Suche nach einem Café fürs Frühstück, gehen wir ins „Don Pepe 2“, direkt gegenüber der Kirche. Pepe begrüßt dort jeden Pilger mit Handschlag, serviert Kaffee und den von seiner Frau selbstgebackenen Kuchen und bittet uns in sein Gästebuch zu schreiben. Sein Café ist übervoll mit Erinnerungsstücken, die ihm Pilger aus aller Welt dagelassen haben. Sein Schatz sind aber die Gästebücher, die ein ganzes Regal füllen. Nachdem wir bezahlt und unsere Rucksäcke wieder geschultert hatten, wurden wir von Pepe verabschiedet, wie er das bei jedem Pilger tut, mit einer Umarmung, einem Kuss und den besten Wünschen für den Weg nach Santiago.

„That’s the Caminho!“

Von Padrón aus sind es nur noch etwa 25 Kilometer nach Santiago de Compostela. Weil wir Zeit haben und gerne am frühen Vormittag ankommen wollen, hatten wir beschlossen bis Faramello zu gehen und dort noch einmal zu übernachten.

Der Weg führt streckenweise direkt an der stark befahrenen Straße entlang, was ihn nicht ganz ungefährlich macht. Solche Abschnitte gibt es immer mal wieder, sie sind auf dem Caminho Português aber tatsächlich die Ausnahme. Auch heute führt der Weg immer auch wieder von der Hauptstraße weg und vorbei an einigen schönen Kirchen.

Wir nehmen uns Zeit die Kirchen zu besichtigen und werden von einem Friedhof angezogen, bei dem auf allen Gräbern große Sträuße frischer Blumen stehen. Wir haben letzte Woche Sonntag beobachtet, dass die Menschen hier in der Frühe Blumen auf den Friedhof bringen, bevor sie die Messe besuchen. Beim Gang über den Friedhof muss ich an meine verstorbenen Großeltern denken. Durch die Genogramm-Arbeit in der Systemischen Weiterbildung sind sie mir kurz vor den Ferien noch einmal sehr nahe gekommen. Auf diesem Friedhof habe ich mich in Gedanken voll Respekt und Dankbarkeit vor ihnen verneigt.

In unseren Gesprächen geht es heute viel darum, dass wir morgen ankommen werden. Was von dem Weg werden wir mitnehmen und uns bewahren?

Franziska und Jan erzählen mir, dass sie gestern mitbekommen haben wie ich mit Alex und unserer Tochter telefoniert habe. Erst ging es um ein paar organisatorische Dinge, dann wollte meine Tochter ein Problem besprechen und schließlich habe ich Alex von den letzten Tagen erzählt. Meinen Weggefährten ist dabei aufgefallen, dass sich mein Ausdruck und meine Stimme total verändert haben, als ich vom Caminho berichtet habe. Mein Reden wurde weicher und entspannter. Ich bin gespannt, ob das anhält.

Für Resümees irgendwelcher Art ist es aber noch zu früh. Morgen werden wir  – wenn auch zum letzen Mal – wieder laufen.

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