Aufstieg, Aufstieg, Aufstieg und warum sich keiner freut (Neumagen-Dhron bis Osann-Monzel, 18 km, 670 Höhenmeter)

Heute schreibt Jens:

Aufstieg. Leider hatte das heute so gar nichts mit dem MSV Duisburg, meinem Lieblings-Fußballverein und der Versetzung der Mannschaft von Liga 3 in Liga 2 (auf den ich immer noch hoffe) zu tun.



Die heutige Etappe hielt viele und lange in Aufstiege für uns bereit. Den ersten sehr langen Aufstieg gab es direkt zu Beginn. Jetzt sagen ja einige Menschen: „Es kommt nicht auf die Länge an.“ Das mag in Bezug auf bestimmte Körperteile ja stimmen. In Bezug auf Aufstiege und Wandern kommt es aber sowas von auf die Länge an. Hier gilt definitiv die Formel: Desto länger der Aufstieg, desto viel mehr ist man kaputt. Oder: Desto länger die Wanderung, desto viel viel mehr tun die Füße weh.

Aber zurück zum Aufstieg. Beim Aufstieg im Speziellen und beim Wandern im Allgemeinen ist der Einsatz der Wanderstöcke eine große Hilfe. Hier kommen verschiedene Techniken zum Einsatz, die hier jetzt ein bisschen beleuchtet werden sollen.

Ich zitiere aus unserem noch nicht veröffentlichen Buch „How to use the sticks, oder: Hömma, wie geht dat denn mit die Stöckers“

Bei einem Aufstieg kommt die „Nordic-Walking“ Technik zur Anwendung. Dabei wird der Stock schräg nach hinten in den Untergrund gerammt, um sich dann nach vorne bzw. in unserem Fall nach oben zu schieben.

Ist die Strecke eben, bietet sich die „Blindenstock“-Technik an. Dabei schwingt immer ein Stock nach vorne, landet deutlich vor dem Fuß und hilft dann beim Vorbeigehen den Schwung wieder aufzunehmen.

Beim Abstieg kommt die „Krücken“-Technik zur Anwendung. Hier wird der Stock als Krücke genutzt, um sich abzustützen und so zu bremsen.

Dann gibt es noch den „linken oder rechten Schwinger“. Der wird immer bei Asphalt angewendet, wenn man keine Lust hat, schon wieder die Kappen an die Stöcker zu stecken.

Nicht so verbreitet ist die „Samurai“-Technik. Hier wird mit beiden Stöckern wild vor dem eigenen Gesicht herumgefuchtelt. Kommt bei mir insbesondere zur Anwendung, wenn bestimmte Insekten mir zu Nahe kommen.

Zum Abschluss noch ein Bild der „Ich gehe am Stock“-Technik. Diese ist für den weiteren Bericht dieser Etappe noch von Bedeutung.

Na ja. Nachdem ersten Aufstieg kommt? Richtig. Der zweite Aufstieg. Nicht mehr ganz so lang, aber trotzdem immer schön Berg auf. Meine Füße tun also schon ganz ordentlich weh, als wir dann die Weinberge erreichen. Die Landschaft hier erinnert mich an den Rotweinwanderweg und meine Zeit an der Ahr. Das Schwelgen in Erinnerung an diese wirklich tolle Zeit, lässt mich meine schmerzenden Füße zumindest zeitweise vergessen.

Dann kommt der Abzweig. Man kann die Tour heute abkürzen und 1 km bergab nach Kesten laufen oder 5 km bergauf nach Osann-Monzel. Wir entscheiden uns für Variante zwei. Ich bin einverstanden mit der Entscheidung. Meine Füße nicht. Ab dem Zeitpunkt liefern sich meine Füße einen Wettkampf, wer von beiden mehr weh tun kann. Am Ende hat übrigens „rechts“ in einem engen Rennen gewonnen. Der dritte Aufstieg ist steil und geht über eine gemähte Wiese, oder sollte ich sagen einen echten Acker mit tausend Löchern nach oben. Meine Füße übernehmen meine Gedanken. Deshalb kann ich mich an dem Rotwild, das wir hier in freier Wildbahn zu sehen bekommen, nur kurz erfreuen.

Ich gehe jetzt echt am Stock (siehe die entsprechende Technik) und komme auf der letzten Rille im Hotel Moselsteig an. Für heute bin ich durch und werde meine Füße jetzt hochlegen.

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