Von Kreuth auf die Blaubergalm (12km / 1281 Höhenmeter)

Nun, es gibt Gründe, warum die Nordsee, wo die höchste Erhebung die Aussichtsdüne ist, das Urlaubsziel der Wahl ist. Ich meine, die Gegend hier ist atemberaubend schön und ein Postkartenmotiv jagt das nächste, aber die Aufstiege sind schon die Hölle.

Aber von Anfang an. Ich bin um 6:00 Uhr wach geworden, habe den Luxus eines eigenen Bads zum erneuten Duschen genutzt und das Chaos im Zimmer beseitigt. Dann war ich um Punkt 7:00 Uhr beim Frühstück, um zeitig aufzubrechen, denn ab 12:00 Uhr waren Gewitter angekündigt, ab 14:00 Uhr mit 100% Wahrscheinlichkeit. Nachdem, was ich gestern Abend von meinem Balkon aus beobachtet habe, will ich vorher oben sein.

An der Weißach entlang geht es nach Wildbad Kreuth, das recht verlassen in der Morgensonne liegt. Dahinter geht es erst steil bergab, hinunter zur Herzhoglichen Fischzucht, wo ich – anders als gestern – mühelos Forellen beobachten konnte.

Danach geht es dann bergauf. Und zwar nicht nur ein bisschen. Nach kürzester Zeit bin ich total außer Atem. Ich bin sicher viel zu schnell unterwegs gewesen, was auch daran lag, dass kurz vor mir zwei Frauen ziemlich sportlich in den Weg eingebogen sind. Deren Tempo kann ich nicht annähernd halten, das ist mir nach 200 Metern dann auch klar. Aber selbst, wenn ich deutlich langsamer gehe, schaffen mich die Höhenmeter ziemlich. Das heute gehört definitiv zu dem Anstrengendsten, was ich bisher gemacht habe. Ich hab es dann auch eingesehen und auf den zusätzlichen Aufstieg zum Gipfel des Schildensteins verzichtet.

Ungünstig war übrigens auch, dass ich nicht vor dem Aufstieg an die Sonnencreme gedacht habe. Der Versuch, das Versäumte völlig verschwitzt nachzuholen, war ziemlich unsinnig, weil vermutlich total wirkungslos.

Umso mehr habe ich mich dann auf die Dusche gefreut. Das Problem ist nur, dass es auf der Blaubergalm keine Dusche gibt. Ein Plumpsklo und ein Waschzuber sind alles, was zur Verfügung steht. Da sieht man selbst die einfachsten Pilgerherbergen plötzlich in einem ganz anderen Licht. Immerhin bin ich jetzt da und mache eine echte Hüttenerfahrung. Ich habe mich und meine Wäsche so gut wie möglich gewaschen, meinen Schlafsack im Bettenlager ausgerollt und sitze nun entspannt auf dem Balkon der Alm.

So langsam wird es hier auf der Alm richtig voll. Es muss eine ziemlich große Gruppe unterwegs sein, die die Alpenüberquerung als Pauschalangebot bei einem Eventmanager gebucht hat. Da gibt es dann sämtliche Unterkünfte mit Halbpension, Gepäcktransport und Reisebegleitung. Laufen müssen die Teilnehmer*innen aber schon noch selber, wenn auch alle Etappen durch Bus, Bahn oder Seilbahn verkürzt werden. Während immer mehr aus dieser Reisegruppe auf der Alm Pause machen, lerne ich Uli und Kurt aus Hessen kennen, die wie ich auf der Hütte übernachten werden. Außer uns dreien werden noch zwei Männer aus Bayern erwartet. Da die beiden Hessen und die beiden Bayern Betten im Vier-Bett-Zimmer gebucht haben, habe ich das Bettenlager unter dem Hüttendach für mich alleine, also quasi ein Einzelzimmer.

Der Regen setzt pünktlich um 14:00 Uhr ein und die Berge verschwinden immer mehr in den Wolken. Hoffentlich ist das Wetter morgen besser. Heute bin ich auf jeden Fall froh, dass ich nicht im Regen absteigen muss, sondern die Nacht auf der Hütte verbringen werde.

Es wird ein netter Abend mit den anderen Wanderern und der Hüttenwirtin Pauline, die unverkennbar aus den Niederlanden stammt. Sie hat ihren Mann beim Skifahren kennen gelernt (genauer war er ihr Skilehrer) und betreibt nun mit ihm und ihrem Sohn die Alm. Alles auf der Speisekarte ist hausgemacht und so futtern und trinken wir uns von oben nach unten durch die Karte. So lässt es sich aushalten.

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